Internationaler Frauen*Tag goes digital

Als wären unsere digitalen Frauen*Salons Vorbild gewesen, wird auch der internationale Frauen*Tag (8. März 2021) dieses Jahr digital gefeiert, zumindest von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bereits am 4. März 2021 wird es von 17 bis 19 Uhr Diskussionen rund um eine geschlechtergerechte Gesellschaft geben, unter anderem mit der SPD Politikerin Serpil Midyatli und der Bloggerin Laura Melina Berling (@littlefeministblog). Ihr könnt euch bis zum 28. Februar 2021 hier anmelden.

Damit es nicht bei der zweistündigen Veranstaltung bleibt, gibt es drei weitere Online-Aktionen rund um den Frauen*Tag: Ihr könnt eine DANKE-Postkarte an Frauen* eurer Wahl versenden und mit einer BITTE Postkarte Forderungen an die FES senden, die diese an die Politik übergibt. Außerdem ruft die Stiftung zur Nominierung eurer persönlichen Heldin* auf, die dann am 4. März mit auf dem Podium diskutiert. We like!

Frauen*Salon #8: Retrospektive

Ende Januar 2021 haben wir uns ein zweites Mail in toller Runde und mit neuen Gesichtern digital zusammengefunden und Negin Sandjer zugehört, die uns einen spannenden und erhellenden Einblick in ihre Arbeit als Anwältin für Migrationsrecht gegeben hat.

Negin hat uns eindrücklich geschildert, wie kompliziert das deutsche Asylrecht ist, wie unüberschaubar die Prozesse für die Antragsstellenden oft sind, und wie bürokratische Aspekte wie falsche Faxnummern, Adressen oder Geburtsdaten den Ausgang von Asylverfahren bestimmen können. Gleichzeitig hat sie uns teilhaben lassen an den menschlichen Geschichten und Schicksalen hinter ihrer Arbeit und an den Erfolgsmomenten, die die Tätigkeit mit sich bringt.

Es war eine wunderbare Gelegenheit, hinter die oft plakative Medienberichterstattung zu schauen und zu sehen welche oft unterschätzte Arbeit hinter all den Verfahren steckt. Wir haben definitiv festgestellt, dass es wirklich mehr Anwält*innen wie Negin braucht, um Menschen mit Fluchterfahrung empathisch und fachlich versiert bei ihrem Gang durch das deutsche Asylrecht zu helfen. Vielen Dank!

Mehr über Negin Sandjer könnt Ihr auf Ihrer Website nachlesen.

Podcast-Tipp: No New Years Resolution!

Wir möchten Euch für diesen Januar einen besonderen Podcast ans Herz legen, der sich schon seit vielen Jahren als Gegenentwurf zur allgegenwärtigen „diet culture“ versteht. Mit viel Wissenschaft, Empathie und tollen Frauen* und Männern* im Gespräch werden Mythen und Fehlinformationen zu unseren Körpern, Ernährung, dem (nicht vorhandenen) Zusammenhang zwischen Mehrgewicht und Krankheiten sowie zu intersektionalen Themen wie Rassismuss und Queerness seziert und dekonstruiert. Davon brauchen wir wahrscheinlich alle mehr: Mehr Körperakzeptanz, mehr Selbstliebe, mehr Essen ohne Nachzudenken. Das alles gibt es bei Food Psych von Christy Harrison.

Christy Harrison ist zertifizierte „anti diet“ Ernährungsberaterin und veröffentlicht neben dem Podcast auch Bücher zu den Themen Health at every Size, Intuitive Eating und Anti Diet Culture.

Im Monat der guten Vorsätze empfehlen wir Euch eine Folge, die sich mit als Wellness getarnten Diäten zum Jahresbeginn und dem bewussten Weglassen einzelner Lebensmittel befasst. Hört hier rein!

Raum einnehmen – Buchhandlung für Autorinnen und queere Autor*innen eröffnet in Neukölln

Mitten im zweiten Lockdown hat in Berlin Neukölln eine Buchhandlung eröffnet, die vor allem eins schafft: Raum. Raum für neue Ideen und Gedanken, Raum für Inspiration und Perspektivwechsel und in einer post-Corona Welt auch einen Raum für regelmäßige Austauschformate – so die Idee des Teams hinter She said.

Gewidmet ist die Buchhandlung all denen, die sonst eher weniger Raum in der Literaturwelt einnehmen und seltener Gehör finden: Autorinnen und queere Autor*innen. Seit Mitte Dezember 2020 lädt She said Besucher*innen ein, durch Schätze der feministischen und queeren Literatur zu stöbern und auch eine umfassende Beratung von einem motivierten Team in Anspruch zu nehmen. Wer zur Zeit jedoch keinen vor-Ort-Besuch unternehmen möchte, der empfehlen wir die Rubrik “Read This” auf der Website der Buchhandlung auszuchecken. Hier schreibt das Team von She said regelmäßig Buchrezensionen, die detallierte und persönliche Einblicke in die Bücher der Buchhandlung ermöglichen.

Aktuelle Empfehlungen:
Rebecca Solnit: Unziemliches Verhalten – wie ich Feministin wurde
Andrea Petković: Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht

In einer Zeit, in der fast alles, was uns gedanklich und emotional inspiriert und in Austausch treten lässt, geschlossen bleibt, freuen wir uns umso mehr über diesen neuen Ort, den Ideengeberin Emilia von Senger mit ihrem Team geschaffen hat.

…und natürlich darüber, dass im Café der Buchhandlung fantastische Scones verkauft werden, die jeden unnötigen Jahresvorsatz in Vergessenheit geraten lassen.

Mehr Infos unter: www.shesaid.de

Kottbusser Damm 79
10967 Berlin-Neukölln
Mo–Fr 10–19 Uhr
Sa 10–18 Uhr

Feministische Geschenkideen für ein wunderbares Weihnachten

Damit Euer Weihnachten zwischen den maskulinen Erzählungen von Weihnachtsmann, Rudolph & Co. auch mit genügend female power ausgestattet ist, präsentieren wir Euch pünktlich zur Geschenke-Saison ein paar feministische Ideen für den Weihnachtsbaum. Und auch wenn wir den Konsum-Wahnsinn an Weihnachten eigentlich nicht so gerne promoten wollen, sind doch ein paar tolle Sachen dabei, deren Erlöse zum Teil auch gemeinnützigen Projekten zugute kommen! Und vielleicht könnt ihr die Geschenke ja auch bei eurem Lieblingsort oder über kleinere Online-Anbieter ohne das große „A“ finden!

1. Das Matriarchat lässt grüßen: Postkarten für ein feministisches 2021
Margarete Stokowski und Katharina Schmidt haben zusammen 24 feministische Postkarten herausgebracht, die sich nicht nur hervorragend als Weihnachtskarten eignen, sondern auch zwischenduch in 2021 versendet werden sollten.

2. Ausrüstung für die Periode 2021
Damit Deine beste Freundin, Schwester, Mutter oder Tochter in 2021 gut und bio für die Periode ausgestattet sind, empfehlen wir entweder ein Abo für Bio-Tampons und -Binden von The Female Company oder die tolle Periodenunterwäsche von KORA MIKINO.

3. Hamambesuch für dunkle Wintertage
Das Hamam Berlin ist das türkische Bad für Frauen in Kreuzberg. Mit einem Gutschein kann die beschenkte Frau* eurer Wahl entweder einfach in dem Bad entspannen oder sich eine der vielen verfügbaren Massagen gönnen. Perfekt für eisige Berliner Wintertage (hoffentlich bald wieder möglich!).

4. Frauen an der Wand
Die Berliner Künstlerin Nadia Linek malt Portraits von inspirierenden Frauen* und deren wichtigsten Zitaten; und bringt einmal im Jahr auch einen ganzen Kalender voll dieser tollen Frauen* heraus. Der Follow Women Kalender ist direkt über die Website der Künstlerin erhältlich.

5. Missy Magazin all year round
Wer hätte nicht gern ein Abo des tollen Missy Mags für 2021!? Alle sechs Ausgaben gibt es als Geschenk-Abo und du kannst deine liebsten Frauen* mit feministischen Perspektiven für ein ganzes Jahr versorgen.

6. Für Nachwuchs-Feminist*innen
Das Kinderbuch „Alles rosa“ von Maurizio Onano nimmt uns mit wunderschönen Illustrationen mit in eine verkehrte Geschlechter-Welt und piekst humorvoll das Thema geschlechtlicher Rollenzuschreibungen an. Es geht um Jungs, die lieber malen und alles in rosa gut finden, und genau das brauchen wir für 2021!

Ihr habt noch mehr Ideen? Hinterlasst uns doch einen Kommentar mit Euren besten femGeschenken für Weihnachten 2020!

Foto von Lindsey LaMont auf Unsplash

BBC 100 Women 2020

Der Dezember ist nicht nur die Zeit für Plätzchen, Schnee und Tannenbäume, sondern auch Gelegenheit, auf das vergangenen Jahr zu schauen und Ereignisse revue passieren zu lassen.

Am Ende dieses Jahres ist das natürlich etwas ganz Besonderes. Und mit einem Fokus auf Frauen* in der Pandemie hat die BBC ihre jährliche Liste der 100 Women of the Year veröffentlicht. Es stehen diejenigen im Mittelpunkt, die in diesen turbulenten Zeiten Veränderung und Bewegung repräsentieren.

Und etwas ganz besonderes findet sich auch hier: Um denjenigen Frauen* zu gedenken, die sich auf der ganzen Welt aufgeopfert haben, um anderen zu helfen, wurde eine Stelle auf der Liste der 100 Frauen leer gelassen.

Hier geht es zur Liste.

Lockdown 2.0: und wie steht Es um den Feminismus?

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu, und die Welt steht immer noch Kopf – bzw. still. Wir befinden uns im Lockdown 2.0 und haben uns wahrscheinlich alle irgendwie wieder damit abgefunden, haben unsere eigenen neuen Routinen und Wege gefunden, um die Zeit erträglich zu machen. Vielleicht genießen einige von uns auch die Ruhe, andere empfinden die Begrenzung der Kontakte und Aktivitäten als große Belastung.

Schon im ersten Lockdown im Frühjahr haben viele wichtige Stimmen darauf hingewiesen, was der Lockdown und andere Corona-Maßnahmen auch bedeuten kann, und zwar insbesondere für Frauen: häusliche Gewalt, ein Zurückfallen in alte Geschlechterrollen, überproportionale Belastung von systemrelevanten Berufsgruppen, die zum Großteil Frauen sind.

Aber was lernen wir eigentlich daraus? Was macht der Lockdown mit feministischen Initiativen und Bewegungen? Werden sie noch gehört, oder wird Feminismus jetzt erstmal hinten angestellt? Werden wir erst im Nachhinein sagen können, ob die schnell geschnürten Konjunkturpakete uns auch gleichstellungspolitisch weitergebracht haben? Wenn wir schon im Sinne einer „better recovery“ Nachhaltigkeit und Klimaschutz in die Konjunkturmaßnahmen eingebaut haben – wie schaffen wir das auch für Frauenrechte und geschlechterpolitischen Fortschritt?

Vielleicht habt ihr ja Lust, bei einem der nächsten Salons auch zu diesem Thema zu sprechen – dann meldet euch bei uns! Und in der Zwischenzeit haben wir eine kleine Linksammlung erstellt für die unter euch, die gerne ein wenig mehr dazu lesen würden: Die Böll-Stiftung hat sich dem Thema „Feminismus in der Corona-Krise“ gewidmet, die Friedrich-Ebert-Stiftung nimmt in einem Blog das Thema „Corona and Care“ unter die Lupe, eine außenpolitische Perspektive auf das Thema bietet das Centre for Feminist Foreign Policy, und der Gender-Blog plädiert für eine feministische Analyse der Corona-Politik.

Wenn ihr mehr Ressourcen oder Gedanken zu dem Thema habt, teilt sie gerne mit uns!

Rückblick auf *SALON #7: feministische Perspektiven auf die Stadt

Unser erster virtueller Frauen*Salon unter dem Titel „feministische Perspektiven auf die Stadt“ war ein Erfolg! Vor allem waren wir sehr glücklich, einige ganz neue Gesichter zu sehen. Das hat uns darin bestätigt, dass unser kleines Netzwerk langsam, aber beständig wächst!

Für die, die leider nicht dabei sein konnten, hier eine kleine Zusammenfassung: Zunächst hat uns Katharina Knaus einen Einblick und viele Beispiele gegeben, worauf eine feministische Perspektive auf die Stadt Rücksicht nehmen kann und muss: vom Schneedienst und öffentlichen Toiletten, über Barrierefreiheit (nicht nur in den Öffis) und innere Sicherheit, hin zu Digitalisierung, Datenzugang und öffentlichen Räumen für alle.

Auch hat uns besonders gefreut, dass Daniela Billig, Mitglied der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Sprecherin für Stadtentwicklung, sich die Zeit genommen hat, im Salon ihre Erfahrungen aus diesem Politikbereich mit uns zu teilen. Aus ihrer Perspektive kommt es letzten Endes auf diese Fragen an: wie bekommen wir Feminismus und Frauen ganz praktisch in die Stadtplanung hinein? Wie können wir Transparenz und Verbindlichkeit zu dem Thema von städtischen Entscheidungsträger*innen einfordern? Wie kommen mehr Frauen in die entscheidenen Gremien? Wie können Mittel explizit für diesen Zweck bereitgestellt werden?

Klar wurde in der anschließenden Diskussion, wie sehr uns alle Stadtplanung tagtäglich beeinflusst und uns Frauen* oft behindert – und wie oft wir das gar nicht mehr merken. Eine gute Botschaft von Katharina war: viele Hindernisse in der Stadtplanung lassen sich relativ einfach beheben (Bepflanzung, Abschaffung von Barrieren, Bürger*innenbeteiligung, öffentliche Räume etc) – aber es braucht neben der Schulung des Personals in Städten und Gemeinden vor allem das persönliche und öffentliche Bewusstsein dafür sowie den Einsatz jedes und jeder Einzelnen, um den Status Quo zu hinterfragen.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden!

Buchtipp im November

Für den November stellen wir euch den Roman „Die Stille der Frauen“ von Pat Barker vor. Einige von uns erinnern sich vielleicht noch schwammig an die altgriechische Geschichte aus dem Schulunterricht, andere haben noch Bilder aus der Verfilmung von „Troja“ im Kopf: schwitzende, blutverschmierte Männer, schöne, bezaubernde Frauen… Pat Barker stellt dieses traditionelle Wissen in ihrem Roman auf den Kopf, denn sie erzählt die Geschichte der Eroberung von Troja nicht aus den Augen der kämpfenden Männer sondern aus der Perspektive der von ihnen als Kriegstrophäe gefangenen und versklavten Frauen.

Die Stille der Frauen
Bildquelle: Münchener Verlagsgruppe

Dabei erscheinen die Figuren und ihre Sprache so modern wie unser heutiges Leben. Das macht das Buch super spannend zu lesen und darüber hinaus inspiriert es die Leser*innen auch dazu, andere Geschichtsnarrative in ähnlicher Weise zu hinterfragen. Denn viel zu oft sind Texte in unseren Geschichtsbüchern noch männlich geprägt, sind „Helden“ mit männlichen Attributen verbunden, verschwinden Frauen* gänzlich aus der Geschichtsschreibung. Pat Barker schafft es mit ihrem Roman, unseren Blick und unser Ohr für diese „Stille der Frauen“ in der Geschichte zu schärfen.

Mehr Vielfalt im Bundestag!

Brand New Bundestag ist eine Initiative, die mehr Vielfalt in den Deutschen Bundestag bringen will. Angelehnt ist sie an das US-amerikanische Vorbild Brand New Congress, welches z.B. Alexandra Ocasio-Cortez bei ihrer Wahl als jüngste Abgeordnete in den US-Congress unterstützte (by the way – Netflix-Tip, für alle, die es noch nicht gesehen haben: „Knock Down the House“ -der Weg von AOC und anderen Frauen in den Congress).

Brand New Bundestag hat zum Ziel, neuen Stimmen und Gesichtern mehr Gewicht in der deutschen Politik zu verleihen, und Parteien davon zu überzeugen, vielfältige Kandidat*innen aufzustellen. Zur Bundestagswahl 2021 hat eine Jury von BNB aus einer großen Zahl an Vorschlägen drei unabhängige Kandidat*innen ausgewählt, die für jeweils einen Wahlkreis antreten und dafür einstehen, Themen wie Inklusion, Rassismus und Geschlechtergerechtigkeit im Parlament auf die Tagesordnung zu bringen. Um die Kandidat*innen nun unabhängig unterstützen zu können, läuft außerdem eine Crowfunding-Kampagne auf Start Next.

Wir finden die Initiative großartig und wünschen viel Erfolg!