Buchtipp im April: „Mädchen, Frau, etc.“

Buchdeckel „978-3-608-50484-2
Quelle: Tropen Verlag Übersetzerin: Tanja Handels

Unser Lese-Tipp im April kommt von der britischen Schriftstellerin Bernardine Evaristo und hat uns schon auf den ersten Seiten gepackt und nicht mehr losgelassen. Sie verwebt in ihrem Buch „Mädchen, Frau, etc.“ die Geschichten mehrerer Frauen* in England, und es fühlt sich an, als könnten wir direkt in ihre Herzen sehen und an ihrem Leben teilhaben.

Diese Frauen* umspannen mehrere Generationen, sie sind meist schwarz, teilweise lesbisch oder non-binär, sie haben unterschiedliche Migrations- und Lebensgeschichten und diverse Bildungshintergründe. Das Verbindende ist, dass sie jeweils auf ihrer eigenen Suche nach der Antwort auf die Fragen sind: was bedeutet es, eine (schwarze) Frau zu sein? Welche Erwartungen will ich erfüllen? Und wie werde ich mit mir selbst glücklich?

Das Besondere an dem Buch ist sicher auch, dass Bernardine Evaristo genau so schreibt, wie Menschen denken und sprechen: manchmal ohne Punkt und Komma, Erinnerungen nachschweifend, mal gnadenlos ehrlich, mal beschämt gegenüber sich selbst.

Wir können euch dieses tolle Buch nur ans Herz legen und versprechen, dass ihr es nicht mehr weglegen werdet!

Buchtipp für den März: „Es geht nur gemeinsam“ von Jutta Allmendinger

Es geht nur gemeinsam! - Hardcover | ULLSTEIN
Quelle: Ullstein Buchverlage

In diesem wissenschaftlich fundierten aber gleichzeitig sehr verständlich und persönlich geschriebenen Buch legt die Soziologin Jutta Allmendinger dar, was Geschlechtergerechtigkeit wirklich bedeutet und wie diese erreicht werden kann. Ausgangspunkt ist die Corona-Pandemie, die laut Allmendinger die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern deutlich sichtbar gemacht und uns sogar in Sachen Gleichberechtigung um einige Jahrzehnte zurückgeworfen hat.

Sie entwirft einen überzeugenden Fahrplan, wie wir jetzt umsteuern können, damit ihre zukünftige Enkeltochter in einer gerechteren Welt leben kann. Das geht nur – wie der Titel des Buches verrät – gemeinsam: Männer, Frauen, der Staat und die Wirtschaft müssen sich gleichermaßen für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen, um Veränderungen Realität werden zu lassen.

Wir finden, dieses Buch ist die perfekte Lektüre für alle im März – und das über den Frauentag hinaus: und zwar als Lesetipp für alle Geschlechter und Menschen in unserem Leben.

Rückblick auf den Frauen*Salon #9: Bildungsaufstiege und -chancen

Fast zwei Jahre sind unsere Frauensalons jetzt alt – wir können es selbst kaum glauben. Und wir sind sehr stolz, dass wir trotz Corona-Pandemie und Kontaktbeschränkungen mit euch weiter machen und auch das digitale Format trotz aller Zoom-Müdigkeit so gut funktioniert!

So haben wir Ende März unseren insgesamt neunten und gleichzeitig dritten digitalen Frauen*salon abgehalten – wie immer mit Erfolg, neuen Gesichtern und viel Stoff zum Nachdenken! Laura hat uns diesmal von den Hürden beim Studium und Bildungsaufstieg von Jugendlichen aus Arbeiter*innen-Familien berichtet, sowohl aus ihrer ganz persönlichen Erfahrung heraus als auch über ihr Engagement bei der Organisation arbeiterkind.de. Wir danken Laura für die Einblicke in die Schwierigkeiten bei der Bafög-Antragsstellung, Stipendiensuche und dem Jobeinstieg. Und wir finden es super, dass wieder so viele von euch mitdiskutiert haben und sich durch das Gespräch sogar ein paar neue Kontakte gebildet haben – das macht unsere Treffen noch wertvoller und spannender.

Wir haben uns anlässlich dieses Inputs von Laura auch vorgenommen, uns selbst immer wieder zu hinterfragen: von welchem „Allgemeinwissen“ können wir z.B. bei unseren Salons eigentlich ausgehen? Wie durchlässig sind die Netzwerke, in denen wir uns bewegen und die wir selbst knüpfen? Wie ist unser Wissen zum Beispiel durch unseren Bildungs- und ethnischen Hintergrund geprägt und nehmen wir entsprechende Privilegien auch wahr? Und wie können wir in der Art, wie wir sprechen oder schreiben, noch mehr Frauen* mit ganz unterschiedlichen Bildungshintergründen einschließen? Wenn ihr Ideen habt, wie wir gerade die Frauen*salons noch offener und fairer gestalten können – schreibt uns!

Bessere Verhütung für ALLE – wirklich alle!

Heute wollen wir euch auf eine Initiative hinweisen, die in den letzten Tagen auch in den Medien aufgegriffen wurde: das Projekt „Better Birth Control“. Die Initiative von Jana Pfenning, Rita Maglio und ihrem ehrenamtlichen Team tritt dafür ein, dass sich die Politik in Deutschland aktiv um bessere Verhütungsmethoden für alle Menschen bemüht und faire Forschung und Unterstützung bietet.

Wir finden das super, denn a) wird über das Thema Verhütung noch nicht genug öffentlich gesprochen und b) ist Verhütung leider in den allermeisten Fällen immer noch Aufgabe der Frauen*. Egal, ob wir über die Pille, diverse Spiralen, Kupferketten und Temperaturmethoden sprechen, für Männer* gibt es in der Praxis bisher nach wie vor nur die Möglichkeit, aktiv mit Kondomen zu verhüten. Das heißt also, dass sowohl die Verantwortung, als auch die entsprechenden Kosten und gesundheitlichen Folgen, wie zum Beispiel Nebenwirkungen, fast immer bei den Frauen* liegen.

Daher stimmen wir mit den vielen Unterstützer*innen der Initiative überein: wir brauchen mehr Gleichberechtigung, Aufklärung und staatliche Förderung beim Thema Verhütung! Wer diese Anliegen unterstützen möchte, kann im Übrigen auch ihre Petition unterschreiben, die ihr hier findet.

Lockdown 2.0: und wie steht Es um den Feminismus?

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu, und die Welt steht immer noch Kopf – bzw. still. Wir befinden uns im Lockdown 2.0 und haben uns wahrscheinlich alle irgendwie wieder damit abgefunden, haben unsere eigenen neuen Routinen und Wege gefunden, um die Zeit erträglich zu machen. Vielleicht genießen einige von uns auch die Ruhe, andere empfinden die Begrenzung der Kontakte und Aktivitäten als große Belastung.

Schon im ersten Lockdown im Frühjahr haben viele wichtige Stimmen darauf hingewiesen, was der Lockdown und andere Corona-Maßnahmen auch bedeuten kann, und zwar insbesondere für Frauen: häusliche Gewalt, ein Zurückfallen in alte Geschlechterrollen, überproportionale Belastung von systemrelevanten Berufsgruppen, die zum Großteil Frauen sind.

Aber was lernen wir eigentlich daraus? Was macht der Lockdown mit feministischen Initiativen und Bewegungen? Werden sie noch gehört, oder wird Feminismus jetzt erstmal hinten angestellt? Werden wir erst im Nachhinein sagen können, ob die schnell geschnürten Konjunkturpakete uns auch gleichstellungspolitisch weitergebracht haben? Wenn wir schon im Sinne einer „better recovery“ Nachhaltigkeit und Klimaschutz in die Konjunkturmaßnahmen eingebaut haben – wie schaffen wir das auch für Frauenrechte und geschlechterpolitischen Fortschritt?

Vielleicht habt ihr ja Lust, bei einem der nächsten Salons auch zu diesem Thema zu sprechen – dann meldet euch bei uns! Und in der Zwischenzeit haben wir eine kleine Linksammlung erstellt für die unter euch, die gerne ein wenig mehr dazu lesen würden: Die Böll-Stiftung hat sich dem Thema „Feminismus in der Corona-Krise“ gewidmet, die Friedrich-Ebert-Stiftung nimmt in einem Blog das Thema „Corona and Care“ unter die Lupe, eine außenpolitische Perspektive auf das Thema bietet das Centre for Feminist Foreign Policy, und der Gender-Blog plädiert für eine feministische Analyse der Corona-Politik.

Wenn ihr mehr Ressourcen oder Gedanken zu dem Thema habt, teilt sie gerne mit uns!

Rückblick auf *SALON #7: feministische Perspektiven auf die Stadt

Unser erster virtueller Frauen*Salon unter dem Titel „feministische Perspektiven auf die Stadt“ war ein Erfolg! Vor allem waren wir sehr glücklich, einige ganz neue Gesichter zu sehen. Das hat uns darin bestätigt, dass unser kleines Netzwerk langsam, aber beständig wächst!

Für die, die leider nicht dabei sein konnten, hier eine kleine Zusammenfassung: Zunächst hat uns Katharina Knaus einen Einblick und viele Beispiele gegeben, worauf eine feministische Perspektive auf die Stadt Rücksicht nehmen kann und muss: vom Schneedienst und öffentlichen Toiletten, über Barrierefreiheit (nicht nur in den Öffis) und innere Sicherheit, hin zu Digitalisierung, Datenzugang und öffentlichen Räumen für alle.

Auch hat uns besonders gefreut, dass Daniela Billig, Mitglied der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Sprecherin für Stadtentwicklung, sich die Zeit genommen hat, im Salon ihre Erfahrungen aus diesem Politikbereich mit uns zu teilen. Aus ihrer Perspektive kommt es letzten Endes auf diese Fragen an: wie bekommen wir Feminismus und Frauen ganz praktisch in die Stadtplanung hinein? Wie können wir Transparenz und Verbindlichkeit zu dem Thema von städtischen Entscheidungsträger*innen einfordern? Wie kommen mehr Frauen in die entscheidenen Gremien? Wie können Mittel explizit für diesen Zweck bereitgestellt werden?

Klar wurde in der anschließenden Diskussion, wie sehr uns alle Stadtplanung tagtäglich beeinflusst und uns Frauen* oft behindert – und wie oft wir das gar nicht mehr merken. Eine gute Botschaft von Katharina war: viele Hindernisse in der Stadtplanung lassen sich relativ einfach beheben (Bepflanzung, Abschaffung von Barrieren, Bürger*innenbeteiligung, öffentliche Räume etc) – aber es braucht neben der Schulung des Personals in Städten und Gemeinden vor allem das persönliche und öffentliche Bewusstsein dafür sowie den Einsatz jedes und jeder Einzelnen, um den Status Quo zu hinterfragen.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden!

Buchtipp im November

Für den November stellen wir euch den Roman „Die Stille der Frauen“ von Pat Barker vor. Einige von uns erinnern sich vielleicht noch schwammig an die altgriechische Geschichte aus dem Schulunterricht, andere haben noch Bilder aus der Verfilmung von „Troja“ im Kopf: schwitzende, blutverschmierte Männer, schöne, bezaubernde Frauen… Pat Barker stellt dieses traditionelle Wissen in ihrem Roman auf den Kopf, denn sie erzählt die Geschichte der Eroberung von Troja nicht aus den Augen der kämpfenden Männer sondern aus der Perspektive der von ihnen als Kriegstrophäe gefangenen und versklavten Frauen.

Die Stille der Frauen
Bildquelle: Münchener Verlagsgruppe

Dabei erscheinen die Figuren und ihre Sprache so modern wie unser heutiges Leben. Das macht das Buch super spannend zu lesen und darüber hinaus inspiriert es die Leser*innen auch dazu, andere Geschichtsnarrative in ähnlicher Weise zu hinterfragen. Denn viel zu oft sind Texte in unseren Geschichtsbüchern noch männlich geprägt, sind „Helden“ mit männlichen Attributen verbunden, verschwinden Frauen* gänzlich aus der Geschichtsschreibung. Pat Barker schafft es mit ihrem Roman, unseren Blick und unser Ohr für diese „Stille der Frauen“ in der Geschichte zu schärfen.

Buchtipp im Oktober

Brüste und Eier
Bildquelle: DuMont Verlag

Unser Buchtipp im Oktober kommt aus Japan: Die Autorin Mieko Kawakami beschreibt in dem 2019 erschienen Buch „Brüste und Eier“ das Leben japanischer Frauen im 21. Jahrhundert. Zwischen Schönheitoperationen, Kinderwunsch und künstlicher Befruchtung widmet sie sich der Diskriminierung von Frauen und liefert eine eindringliche Beschreibung japanischen Alltagslebens.

Wir sind auf der Suche…Frauen*SALON #7

Frauen*salon #7 peilen wir für Anfang November an – immer vorausgesetzt, dass die Berliner Corona-Regeln das dann erlauben. Freut euch auf einen spannenden Einlick in die feministische Stadtplanung und natürlich wie immer auf viele anregende Gespräche. Ein Save-the-Date folgt im Oktober.

Diesmal haben wir eine besondere Bitte an euch: damit wir möglichst viele Frauen* zu Salon #7 einladen können, sind wir auf der Suche nach einer corona-geeigneten Lokalität in Berlin, die Platz für ca. 20-30 Frauen* hat (plus Hygieneabstand!). Ob riesiges privates Wohnzimmer oder kostengünstig mietbare Location – bitte schreibt uns, wenn ihr Ideen und Vorschläge habt an info@frauensalon.org

Danke und bis bald!

Rückblick auf Frauen*Salon #6

Juhu, endlich wieder ein Frauen*Salon! Nach der langen Corona-bedingten Sommerpause waren wir über alle Maßen entzückt, einige von euch bei Frauen*salon #6 im Garten wiederzusehen. Nachdem wir uns alle teilweise mehr, teilweise weniger mit der unfreiwilligen Isolation zurechtgefunden hatten, war der Salon für uns alle erfrischend und inspirierend, und hat uns noch einmal gezeigt, wie sehr der Austausch untereinander, über unseren eigenen Tellerrand hinaus, gefehlt hat.

Diesmal hatten wir keinen festen thematischen Fokus – aber dafür ein super Brainstorming zu den nächsten Salons! Ergebnisse sind erstens: alle wollen weiter machen, natürlich mit Abstand und Hygieneregeln, aber am liebsten, so weit es eben möglich ist, weiterhin physisch. Zweitens: wir haben wunderbare Themen gesammelt, die wir die nächsten Male durch Impulsvorträge vertiefen wollen. Unter anderem: feministische Stadtplanung, Waldbegehungen und Naturerlebnisse, Feminismus und Umweltschutz, und Finanzen für Frauen! Wenn du selbst gern ein Thema vorschlagen möchtest – schreib uns!